Verdächtige E-Mails erkennen
E-Mail ist der mit Abstand häufigste Weg, über den Angreifer versuchen, an Zugangsdaten zu kommen oder Schadsoftware einzuschleusen. Die Technik im Hintergrund fängt vieles ab, aber keine Firewall der Welt kann verhindern, dass eine geschickt gemachte E-Mail durchrutscht. Die letzte Verteidigungslinie sind Sie.
Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Prüfschritten erkennen Sie fast jede verdächtige E-Mail, bevor etwas passiert.
Typische Warnzeichen
Phishing-E-Mails versuchen, Sie zu einer schnellen, unüberlegten Handlung zu bewegen, meist mit Druck („Ihr Konto wird gesperrt!“) oder einem verlockenden Angebot. Achten Sie auf diese Warnzeichen:
- Unerwartet. Sie haben nichts bestellt, nichts angefragt, kennen den Absender nicht, aber die Mail verlangt eine Reaktion von Ihnen.
- Die Absenderadresse passt nicht. Der angezeigte Name kann beliebig gewählt werden, entscheidend ist die tatsächliche Adresse dahinter. Steht dort eine fremde oder kryptische Domain, ist die Mail fast sicher gefälscht.
- Links führen woandershin. Fahren Sie mit der Maus über einen Link, ohne zu klicken: Die tatsächliche Zieladresse wird eingeblendet. Passt sie nicht zum angeblichen Absender, Finger weg.
- Zeitdruck oder Lockangebot. „Nur heute“, „sofort handeln“, „kostenlos für Sie reserviert“, seriöse Absender arbeiten nicht mit Panik oder Geschenken.
- Aufforderung, Zugangsdaten einzugeben, „zur Bestätigung“, „zur Verifizierung“. Weder wir noch seriöse Anbieter fragen per E-Mail nach Ihrem Passwort.
- Unerwarteter Anhang, besonders ZIP-Dateien oder Office-Dokumente mit Makros.
Beispiel 1: Der Klassiker, leicht zu durchschauen
So sah Spam lange Zeit aus, und solche Mails kommen immer noch täglich an:

Hier stimmt gar nichts:
- Die Mail ist in persischer Sprache verfasst, an eine deutsche Adresse.
- Der Absender ist eine fremde Domain (
…@babaroboti.ir), die mit dem angeblichen Absender „WordPress“ nichts zu tun hat. - Der Inhalt lockt mit Kryptowährung („COINBASE 39652 USD“) und einem Link auf eine Adresse, die niemand freiwillig anklicken würde.
Solche Mails erkennt jeder auf den ersten Blick, löschen und fertig.
Beispiel 2: Täuschend echt, die neue Generation
Deutlich gefährlicher sind Mails wie diese. Sie sind sauber gestaltet, fehlerfrei formuliert und wirken wie von einer echten Firma, oft, weil sie mit Hilfe von KI erstellt wurden:

Hübsches Layout, korrektes Englisch, ein bekannter Markenname, und trotzdem Phishing. Woran man es erkennt:
- Die Absenderadresse passt nicht zur Marke: Die Mail gibt sich als
Automobilclub „AAA“ aus, kommt aber von
donot-reply@theniel.com, einer völlig fremden Domain. - Unerwartetes Geschenk: Ein kostenloses Pannenhilfe-Set, für das man sich nie angemeldet hat. Niemand verschenkt ohne Anlass etwas per E-Mail.
- Ein großer Handlungs-Button („Review Your Kit Details“) soll zum schnellen Klick verleiten, dahinter wartet typischerweise eine Seite, die Adress- und Zahlungsdaten abfragt.
Der alte Tipp „Phishing erkennt man an schlechtem Deutsch“ gilt nicht mehr. Mit KI erstellte Mails sind sprachlich perfekt und optisch kaum von echten zu unterscheiden. Verlassen Sie sich stattdessen auf die harten Kriterien: Absenderadresse, Link-Ziel und die Frage „Erwarte ich diese Mail?“
Was tun im Verdachtsfall?
Öffnen Sie keine unbekannten Anhänge und geben Sie niemals Zugangsdaten auf Webseiten ein, zu denen ein Link aus einer E-Mail geführt hat. Leiten Sie verdächtige E-Mails lieber an uns weiter oder melden Sie sie per Ticket. Lieber einmal zu viel nachfragen als einmal zu wenig.
- Nicht klicken, nichts öffnen, nicht antworten, auch nicht, um sich „abzumelden“.
- Im Zweifel nachfragen: beim angeblichen Absender über einen bekannten Weg (Telefon, bekannte Adresse), nie über die Kontaktdaten aus der Mail.
- Melden: verdächtige Mail per Ticket an uns weitergeben, danach löschen.
Doch geklickt oder Daten eingegeben?
Das kann passieren, wichtig ist, schnell zu reagieren und es nicht aus Scham zu verschweigen:
- Sofort melden, wie das geht, steht unter IT-Sicherheitsvorfall melden.
- Haben Sie ein Passwort eingegeben, muss es umgehend geändert werden, wie das geht, steht unter Passwort vergessen.
- Das betroffene Gerät bis zur Rückmeldung der IT möglichst nicht weiter benutzen.
Je früher wir Bescheid wissen, desto kleiner bleibt der Schaden.